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Der halbe Mantel

Lena, Timo und Jens spielen Sankt Martin. Lena ist der Martin, Timo spielt den Bettler und Jens das Pferd. Das Spiel beginnt, und der heilige Martin reitet herbei.
„Hü, hü“, ruft Martin, und Jens, das Pferd, keucht und schnauft und trägt den Lena-Martin kreuz und quer durchs Zimmer.
„Hü,hü! Halt! Brrrrr!“ Martin und Pferd halten vor einer zusammen gekrümmten Gestalt in der Ecke.
„Wer bist du?“, fragt Martin barsch.
Der Fremde hebt scheu den Kopf. „Ich bin ein armer Bettler“, antwortet er.
„Ein Bettler?“, fragt Martin, und seine Stimme klingt freundlicher. „Dann frierst du und brauchst meinen halben Mantel.“
„Deinen halben Mantel?“, wundert sich der Bettler.
Martin nickt, steigt vom Pferd, zieht seinen Mantel aus und greift zur Schere.
„A-aber ich friere nicht“, ruft der Bettler schnell.
„Du musst aber frieren!“, schmollt Martin. „Das gehört dazu.“
„Nein. Ich habe nur Hunger.“ Der Bettler greift zur Schokolade auf dem Regal. „Die kannst du mit mir teilen, heiliger Martin!“
„Die Schokolade teilen?“, fragt Sankt Martin mürrisch. „Dazu hab ich keine Lust.“
„Dann bist du auch kein rechter Martin“, schimpft der hungrige Bettler.
Der heilige Martin denkt nach.
„Gut“, sagt er und seufzt. „Du bekommst die Hälfte – obwohl mir das mit dem halben Mantel lieber wäre… “
„Ich will auch Schokolade“, ruft das Pferd.
Martin seufzt noch einmal, dann teilt er die Schokolade in drei gleiche Häufchen.

© Elke Bräunling

Wer war St. Martin?

Am 11. November feiern wir mit Laternenumzügen, Spielen und Liedern das St. Martin-Fest. Wer aber war St. Martin?
Martin lebte vor etwa 1700 Jahren als römischer Offizier im heutigen Frankreich. Mit Krieg und Kämpfen hatte er nicht viel am Hut. Er war nämlich ein sehr gutmütiger Mann, und eines kalten Wintertages schenkte er aus Mitleid einem armen, frierenden Bettler die Hälfte seines Mantels. Daraus entstand die berühmte Martinslegende.
Es gibt aber noch mehr Geschichten über Martin zu erzählen:
In der Nacht nach der Begegnung mit dem Bettler hatte Martin einen Traum, und in diesem Traum sagte eine Stimme: „Was du diesem Bettler getan hast, das hast du mir getan.“ Lange dachte Martin über diese Worte nach. Er war sich sicher, dass Jesus Christus sie gesagt hatte, und er konnte deshalb nicht länger Soldat bleiben. Er wollte lieber den Menschen helfen, ging ins Kloster, ließ sich zum Priester weihen und widmete sein Leben den Armen und Kranken. Das machte er so gut, dass ihn die Menschen eines Tages zum Bischof haben wollten. Martin aber hatte keine Lust, Bischof zu sein, und als die Leute zum Kloster kamen, versteckte er sich im Gänsestall. Er hoffte, dass man ihn dort nicht finden würde. Die Gänse aber machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Sie fingen an, so laut zu schnattern, dass man sein Versteck aufstöberte und so lange auf ihn einredetete, bis er das Bischofsamt annahm.
Dass Martin Bischof wurde, war also den Gänsen zu verdanken, und die armen Gänse müssen bis heute für das Schnattern ihrer Vorfahren büßen. Es ist nämlich Sitte, am Martinstag Gänsebraten zu essen, und so müssen viele Gänse Jahr für Jahr im November ihr Leben lassen.
Der heilige Martin, der auch als Bischof wie ein Bettler im Kloster lebte, soll am 11. November gestorben sein. Ihm zu Ehren wird an diesem Tag das Martinsfest gefeiert. Weil Martin in das dunkle Leben armer Menschen so viel Licht gebracht hatte, gehen ihm zu Ehren Kinder mit bunten Laternen durch die dunklen Straßen und singen Lieder.

Übrigens: In einigen Gegenden ist es noch heute Brauch, dass Kinder mit ihren Laternen von Haus zu Haus ziehen und Martinslieder singen. Als kleines Dankeschön bekommen sie Süßigkeiten, Obst oder kleine Geschenke. Mancherorts werden auch Geldspenden für Kinder in der dritten Welt gesammelt. Das ist ein schöner Brauch und erinnert an St. Martin und das Teilen. Wie wär´s? Hättest du nicht auch Lust, mit deinen Freunden von Haus zu Haus zu ziehen und den Menschen mit Liedern eine kleine Freude zu machen?
© Elke Bräunling

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