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Herbsträtsel für Tante Luise

Luise goss den frisch gebrühten Kaffee in eine Thermoskanne, nahm die Brotdose, die mit Apfelkuchen gefüllt war, und ging hinaus in den herbstlichen Garten. Dort steuerte sie den Werkstattschuppen ihres Mannes an, klopfte an die Tür und trat ein.
„Jakob, es ist Kaffeezeit!“, sagte sie, so wie jeden Tag seit über vierzig Jahren tat.
Sie stutzte. Irgendetwas war anders als sonst. Und es war ungewohnt still. War Hubertus, Jakobs Gehilfe, nicht da? Doch, da standen sie. Zwei Lockenköpfe, dicht über die Werkbank gebeugt. Ein brauner und ein grauer … und ein roter. Es waren drei Köpfe! Der dritte, der rote mit den wuscheligen Locken, gehörte zu der kleinen Lilly von nebenan.
“Oh, ihr habt Besuch!“, sagte Luise und freute sich, dass sie reichlich Kuchen eingepackt hatte. „Was macht ihr Drei denn da Schönes?“
„Überraschung!“, rief Lilly. „Du darfst nicht gucken!“
Schnell legte Jakob seine Schreinerschürze über etwas, das Luise nun nicht mehr sehen konnte.
„Eine Überraschung?“, staunte Luise. „Etwa für mich?“
Jakob nickte mit seinem verschmitzten Schmunzeln, das sie so liebte, Hubertus grinste und Lilly klatschte in die Hände.
„Etwas für dich und etwas für Jakob, Hubertus und mich und für alle. Besonders wenn es dunkel ist und wenn … Nein, du musst raten!“
„Das ist aber nicht einfach“, überlegte Luise. „Ich hätte auf ein Vogelhaus getippt, das wäre etwas für uns alle, besonders für die Vögel natürlich. Aber im Dunkel sieht man das ja nicht und ich liege wohl daneben.“
„Kalt, ganz kalt!“, rief Lilly.
„Warte! Gleich fällt es mir ein.“ Luise strengte sich an, aber so richtig hatte sie keine Idee. „Vielleicht eine Gartenlaterne?“, fragte sie.
„Das ist warm.“ Lily war zufrieden. „Aber nur halb warm.“
„Halb warm?“ Luise seufzte. „Euer Rätsel ist aber besonders schwer.“
„Sehr schwer sogar“, bestätigte Jakob und Hubert nickte nur und murmelte ein ‚riesig schwer, beim heiligen Martin, mächtig riesig schwer sogar‘ dazu.
Was hatte Hubert gerade gesagt? Beim heiligen Martin? Luise grinste.
„Es ist … es ist … warte, ich hab’s gleich!“
Lilly, Hubert und Jakob sahen sie erwartungsvoll an.
„Eine Martinslaterne, ja, das muss es sein!“, rief sie. „Dass ich nicht gleich drauf gekommen bin, wo doch übermorgen der Martinstag ist!“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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