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Als die Novemberfrau für Ruhe sorgte

„Pssst! Die Vorhänge, ich ziehe sie zu. Die Zeit, diese Stille, sie braucht ihre Ruh.“
Singend stand die Novemberfrau auf einer sanft gerundeten Hügelgruppe. Von hier hatte sie einen besonders guten Überblick über das Land. Ruhig lag es vor ihr, in Nebelkleider verpackt. Unter der grauen Decke plätscherte ein Bächlein leise vor sich hin und schickte kleine Seufzer in die Stille. Hier und da raschelten letzte Blätter in den Bäumen.
„Schlafen“, flüsterten die Bäume. „Wir wollen schlafen, ausruhen und neue Kräfte sammeln.“
„Pssst! Die Ruhe! Sie schwingt leise durch die Zeiten“, rief ihnen die Novemberfrau zu. „Nehmt und genießt sie! Sie ist euch nun, denn ihr habt sie verdient.“
Andere Stimmen wurden laut. Die der Tiere.
„Und wir? Was ist mit uns? Ist es schon Zeit für das Winterquartier?“
Die Novemberfrau lächelte. Es war doch jedes Jahr das gleiche: Sie deckte ihre Kinder zu und einige wehrten sich noch ein wenig dagegen. Aber sie war wie eine Mutter für sie und würde sich nicht eher selbst zur Ruhe begeben, bis alle Pflanzen und Tiere schliefen.
Natürlich gab es Ausnahmen, einige konnten im Winter gut wach bleiben, die Rehe zum Beispiel oder die Vögel, die nicht in den Süden gezogen waren. Auch ihre Freunde, die Igel und die Eichhörnchen. Für sie schlug ihr Herz ein wenig schneller, auch wenn sie das niemandem verraten sollte.
„Ihr habt noch Zeit, meine Lieben. Ihr könnt noch etwas verweilen. Bis zum Ende des Monats müsst ihr euch nicht beeilen“, raunte sie den Igeln zu. „Aber dann wird es Zeit werden fürs Winterquartier.“
„Dann wollen wir tüchtig futtern!“, beschlossen die Igel. Schnell würde die Zeit vergehen. Es war besser, vorzusorgen. Auch die Eichhörnchen schleppten ihre Vorräte ins Winterlager und versteckten Samen und Nüsse an vielen Stellen in Wäldern und Gärten.
„Hoffentlich finden wir alles wieder!“, gab Mutter Eichhorn zu bedenken.
Die Novemberfrau lächelte. Natürlich würden sie nicht alles wiederfinden, die fleißigen Sammler. Und das war auch gut so, halfen sie doch auf diese Weise vielen Samen, einen Platz zum Keimen zu finden.
„Es ist gut, wie es ist und es wird auch immer wieder so sein“, murmelte sie.
In diesem Moment brach die Sonne durch die Wolkendecke und kitzelte die Novemberfee an der Nase. Sie nieste. Dann lachte sie, dass es weit über das Tal tönte.
„Traurig ist hier niemand in dieser Zeit. Ein jeder macht sich nun für den Winter bereit“, sang sie und alle, die es hörten, lächelten.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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