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Opa Jessen und der Herbststurm

Wild pfiff der Sturm ums Haus. Es war der erste Herbststurm dieses Jahres, der den Namen ‚Sturm‘ auch verdiente. Er kam plötzlich und Opa Jessen konnte gerade noch auf den letzten Drücker die Gartenmöbel und seine geliebten Topfhortensien, die Kräutertöpfe und seine Pfefferminzsammlung in Sicherheit bringen.
Ein heftiges Herbstgewitter brachte der Sturm mit. Gebannt schaute Opa Jessen aus dem Fenster und beobachtete die Blitze. Besorgt betrachtete er auch die Bäume, die heftig durcheinander geschüttelt wurden und deren Kronen sich weit zur Seite bogen. Laut prasselte der Regen aufs Dach. Es war ein gleichmäßiges Prasseln, ergänzt zu vielen lauten Plops hier und da und dort. Überall dieses ‚plop‘. Was war das nur?
Opa Jessen merkte auf. Obwohl ihn Gewitter faszinierten, wurde es ihm, irgendwie, nun doch unheimlich. Es würde doch nichts passiert sein? Der kurze Regenschauer ließ schon nach. Nicht aber dieses Plopplop! Wieder fuhr eine Sturmböe in die Bäume der Allee, die den Hof zur Straße hin abgrenzte.
Opa Jessen stöhnte auf, raufte sich die Haare. Dieses Plopplop nervte. Irgendwie beunruhigend war es auch.
„Ich muss herausfinden, was da draußen los ist“, rief er und machte sich auf die Suche nach Stiefeln, Jacke, Mütze.
Oma Jessen kam aus der Küche. Sie zuckte bei jedem Donner zusammen. Gewitter mochte sie nicht und sie konnte es auch gar nicht verstehen, dass ihr Mann so fasziniert aus dem Fenster schaute.
„Hörst du diese seltsamen Plops?“, fragte Opa.
„Klar, die sind ja nicht zu überhören“, antwortete Oma gereizt. Sie erahnte bereits die nächste Frage.
„Was kann das nur sein?“, fragte Opa da auch schon.
„Mensch Jessen, das sind die Kastanien, wie in jedem Jahr!“
Oma nannte ihn immer beim Nachnamen, wenn sie ärgerlich war. Wie konnte dieser Mann nur jedes Jahr die gleich Frage stellen und es dann bis zum nächsten Herbststurm wieder vergessen?

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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