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Der einsame Kastanienmann

eine Freundschaftsgeschichte

„Ist das ein Jammer, dass ich hier ganz allein bin!“
Das Kastanienmännchen war traurig und langweilte sich. Gestern noch hatte es viele Kameraden gehabt und heute waren alle verschwunden.
Lenas Geburtstagsgäste hatten im Wald Kastanien gesammelt und dann zusammen gebastelt. Dabei waren viele Figuren entstanden: Männer, Frauen, Hunde, Igel und viele mehr.
Nach dem Fest hatten die Kinder ihre Basteleien mit nach Hause genommen.
„Wenigstens einen Freund hätten sie mir lassen sollen“, jammerte der Kastanienmann und dachte dabei an das Kastanienmädchen mit den schönen Augen, das sein Herz berührt hatte. Wo war sie nur geblieben?
Er ließ den Kopf hängen. Der aber saß nicht ganz fest auf seinem Streichholzhals und – plopp – kullerte er vom Tisch und fiel zu Boden.
„Autsch, das tut weh!“, rief der Kastanienmann. Er zeterte und schimpfte, besonders, weil er keine Arme hatte, um sich den schmerzenden Kopf zu halten. Die nämlich steckten an seinem Körper fest und der lag ja noch auf dem Tisch.
„Ich bin der ärmste Kastanienmann auf der ganzen Welt“, heulte er.
„Du bist der größte Jammerlappen, den ich je kennen gelernt habe!“ Das war die Stimme vom Kater Moritz, der den Kastanienkopf neugierig beäugte, ihn kurz mit der Pfote anstieß, so dass er ein Stückchen weiter rollte.
„Aua, lass das gefälligst!“
„Du bist ein komischer Knilch, keinen Bauch, keine Beine, nicht einmal einen Schwanz hast du, aber eine große Klappe für zwei“, schimpfte Moritz und stieß den Kullerkopf gleich noch einmal an.
Unter dem Schrank landete er und das gefiel ihm gar nicht.
„Hol mich sofort hier weg, es ist dunkel und staubig!“, kreischte er.
Moritz gefiel dieses Spiel. Er holte den Kastanienkopf wieder hervor und stieß ihn immer und immer wieder an. War das ein Spaß!
„Was ist denn hier los?“ Lena hatte das Zimmer betreten. Sie schimpfte mit dem Kater, nahm den Kastanienkopf und setzte ihn liebevoll wieder auf seinen Körper.
„Schau hier“, sagte sie dann. „Ich habe dir eine Gefährtin gebastelt, damit du nicht so allein bist.“
Der Kastanienmann war noch ganz benommen von dem wilden Spiel. Als er aber das wunderhübsche Kastanienmädchen sah, das Lena an seine Seite gestellt hatte, klopfte sein Herz wie wild und der Schmerz war fast vergessen.
Es geht doch nichts über einen Freund oder eine Freundin, die einem zur Seite steht.

© Regina Meier zu Verl

Von einer Kastanie, die sich ebenfalls den Kopf gestoßen hat, handelt DIESES Gedicht.
Hier gibt es eine weitere Kastaniengeschichte, Die Kastanien und der Herbstwind


Kastanienmännchen wollen wir sein … und Kastanienweiblein … Hört ihr?, Foto © Elke Bräunling

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