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Es kann nicht immer Sommer sein

Es wird früh dunkel am Abend in diesen Herbsttagen. Eigentlich macht Max diese Zeit ein bisschen traurig, denn jeder Tag bringt den Herbst mit seinem Dunkel ein bisschen näher. Und dann kommt auch schon der Winter und der ist ganz anders als der Sommer. Das Leben ist anders und auch die Wünsche und Träume sind es.
Max mag den Herbst nicht so gut leiden. Der September ist ja noch ganz okay. Dann aber, im Oktober und November, kann man richtig zusehen, wie die Tage ihr Licht verlieren.
Die dunkelste Zeit im Jahr ist eigentlich der Herbst, findet Max. Tag für Tag ist es am Morgen ein wenig länger und am Nachmittag ein wenig früher dunkel. Keine gute Zeit, um draußen zu spielen oder durch den Park zu streifen. Auch keine gute Zeit, um sich mit Freunden am Spielplatz zu treffen oder Fußball zu spielen. Wenn Max mit den Hausaufgaben fertig ist, fängt es draußen schon zu dämmern an. Richtig finster und dunkel ist es auf dem Heimweg, wenn Max nachmittags auch noch Klavierunterricht oder Judotraining hat. Das sind die Tage, an denen man morgens im Dunkeln das Haus verlässt und es am Nachmittag erst im Dunkeln wieder erreicht. Doof ist das. Es macht manchmal traurig. Und manchmal, an Wind-, Regen- oder Nebeltagen, fühlt es sich auch gruselig an. Ein bisschen zumindest. Dieses Bisschen macht den Herbst fast spannend. Man kann ja nie wissen: Vielleicht gibt es sie ja doch, die Geister aus den Gruselbüchern, die Monster oder Vampire? Gesehen hat Max sie noch nicht, aber gehört, ja, gehört hat er den einen oder anderen von ihnen schon. Aber klar. Ohne das könnte man all das Dunkel auch gar nicht aushalten, findet Max, und seine Freunde denken das auch. Oder so ähnlich zumindest.
„Also, wer das damals mit den Jahreszeiten erfunden hat“, sagt Max, „der hat nicht richtig nachgedacht, was er damit anrichtet.“
Mama lächelt. „Es kann nicht immer Sommer sein“, sagt sie. „Die Natur muss auch ruhen, und das tut sie im Herbst und im Winter.“
Max überlegt. „Stimmt“, sagt er und denkt an die langen hellen Sommerabende im Freien. „Irgendwie ruhen wir an Dunkeltagen auch ein bisschen. Und das ist gut so, oder?“
Trotzdem freut er sich schon auf den Winter. Wenn der nämlich anfängt, am 21. Dezember mit dem dunkelsten Tag im Jahr, ja, dann ist das Schlimmste überstanden. Ab da nämlich geht die Sonne wieder jeden Tag ein bisschen früher auf. Ein klitzekleines Bisschen.

© Elke Bräunling

Abendlicht 3

Aus dem Buch: Omas Herbstgeschichten


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