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Die kleine Waldmaus und das glückliche Glück

Die kleine Waldmaus hatte sich verirrt. Viel zu weit war sie in die bunte Waldwelt hinein spaziert. Irgendwie sah es nach dem Herbststurm hier anders aus. Aufregend anders und spannend. Auf dem Waldboden lagen nämlich viele Köstlichkeiten. Es waren so viele wunderherrliche Leckereien, dass die kleine Waldmaus in einem fort nur gucken und schnüffeln und kosten und schlucken konnte. Sie knabberte an Bucheckern, Eicheln, Haselnüssen, Beeren, Pilzen, Kiefernzapfen, Wildäpfeln und vielen anderen Herbstwald-Schätzen.
„Oh, wie wunderfein!“, jubelte sie und naschte sich von einer Leckerei zur anderen. „So könnte es hier im Wald immer sein.“
Die kleine Maus trippelte weiter. Nur ein kleines Stückchen würde sie noch der duftenden Spur folgen. Vielleicht hatte der Herbstwind dort drüben noch mehr oder ganz andere Köstlichkeiten auf den Boden gezaubert? Hmmm.
Die kleine Waldmaus sah sich um und erschrak. Wo war sie eigentlich gelandet?
Fremd war ihr der Wald hier.
„Du musst immer gut aufpassen“, hatte Opa Maus gesagt. „Unser Mauseleben ist gefährlich. Es ist wichtig, den Rückweg zum Mäusebau immer im Auge zu haben. Vergiss das nie, Mausekind!“
Sehr ernst und eindringlich hatte Opa Maus die kleine Waldmaus angesehen, und die hatte auch sehr ernst und eindringlich genickt und gesagt:
„Ich werde immer daran denken, Opa Maus! Das verspreche ich dir!“
Heute aber hatte die kleine Waldmaus ihr Versprechen vor lauter Freude vergessen.
„Oh!“, rief sie. „Opa Maus wird traurig sein. Ich muss zurück. Schnell.“
Aber welcher Weg war der richtige?
Wieder erschrak die kleine Maus. Vor lauter Aufregung hatte sie nicht auf den Weg geachtet. Was nun?
Da raschelte es hinter der dicken Baumwurzel.
„Oh!“, rief die kleine Waldmaus wieder, doch sie rief es nur leise. „Gefahr! Ich muss mich verstecken!“
Schnell schlüpfte sie unter einen Brombeerstrauch. Sie duckte sich. Ein bisschen hielt sie sogar die Luft an.
Ein junger Rehbock trat aus dem Schatten des Wurzelholzes und strich am Brombeerbusch vorbei. Immer wieder witterte er und blickte nach allen Seiten.
„Er fürchtet sich auch“, murmelte die kleine Maus. „Ich glaube, ich habe ein großes Glück gehabt. Nun muss ich nur noch den Weg nach Hause finden. Vielleicht habe ich noch einmal Glück?“
Und weil es so ein glückliches Glück gewesen war, folgte die kleine Maus dem Marienkäfer, der sich für einen Moment auf ihre Nase gesetzt hatte. Der brachte ihr auch gleich noch einmal Glück. Er flog von Grashalm zu Grashalm bis zur Waldwiese, wo die kleine Waldmaus mit ihrer Familie lebte.
„Danke, Glückskäfer!“, rief die kleine Maus. Dann schlüpfte sie schnell in den Mäusebau. Es wurde auch Zeit.
„Glück kommt vielleicht einmal zum rechten Moment. Aber ein zweites Mal, ja, das wäre dann schon ein sehr großes glückliches Glück“, hatte Opa Maus einmal gesagt und die kleine Waldmaus begriff nun erst so recht, was er damit gemeint hatte.

© Elke Bräunling

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