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Herbstgespräche im Blumenhimmel – Die traurigen Blumen

Traurig saßen ein paar Sommerblumen im Blumenhimmel und starrten auf die herbstliche Erde. Die Sonne schien warm und verwandelte die Bäume und Büsche mit ihrem herbstlichen Laub in bunte Farbtupfer; die Luft roch frisch nach Herbst und reifem Obst. Es war ein Herbsttag, der so schön war, dass die Herzen der Erdenbewohner kleine Glückshüpfer machten.
„Was blickt ihr so trübsinnig drein“, fragte die Himmelsfee. „Ihr habt doch auch eine schöne Zeit auf der Erde gehabt. In euren Samen werdet ihr nächstes Jahr weiterleben.“
Da fingen die Herbstblumen an zu weinen. Sie weinten sehr und konnten gar nicht mehr aufhören.
Die Himmelsfee erschrak. „Was ist mit euch?“, fragte sie. „Was ist geschehen? So erzählt es mir doch!“
Da sagte die Sonnenblume, der ihren sonnengelben Blütenkranz am weitesten aus der Erde hervorstreckt, mit Wehmut:
„So schön, wie es von hier oben ausssieht, ist es auf der Erde nicht überall. Die Luft ist nicht immer süß und rein, der Regen schmeckt sauer und tut unseren Wurzeln weh, und die Menschen gehen oft sehr achtlos mit uns um.“ Sie seufzte und fuhr fort: „Sieh mich an. Ich hätte gerne meine Blütensonne aus der Erde gestreckt. Aber ein altes, rostiges Fahrrad, das jemand auf mich geworfen hatte, ließ mir keinen Platz zum Wachsen und Blühen.“
„Genau so ist es mir ergangen“, rief die Margerite erregt. „Ein Mensch ist gekommen und hat einen Gummireifen über mich gelegt. Geblüht habe ich nie.“
„Wir auch nicht, wir auch nicht“, heulten die Gänseblümchen auf. „Kinder haben ihre Plastikautos über uns geparkt.“
„Und auf mir“, sagte eine Glockenblume leise, „hat jemand seine Bierdose vergessen. Sonne habe ich keine gesehen.“
„Ich auch nicht“, rief die Kornblume. „Eine Plastiktüte hat mir den Weg zum Licht versperrt.“
„Bei mir war es ein Schokoladepapier“, klagte das Löwenmäulchen. „Ein Kind hat es achtlos auf mich geworfen. Da habe ich mein Lachen verloren.“
„Ich auch…“ „Und ich…“ „Bei mir war das so…“ „Und bei mir erst…“
Die Blumen waren sehr erregt. Sie berichteten und weinten und trauerten um ihr trauriges Erdenleben.
Die Himmelsfee war sehr nachdenklich geworden. „So ist das also“, murmelte sie. „Ihr armen Blumenkinder. Wenn ich euch nur helfen könnte!“
„Uns kannst du nicht mehr helfen“, meinte der Klatschmohn. „Aber den anderen Blumen und Gräsern und Moosen soll es nicht genauso ergehen wie uns.“
„Ja, bitte!“, riefen die Sonnenblume, die Margerite, die Gänseblümchen, die Glockenblume, die Kornblume, das Löwenmäulchen und der Klatschmohn:
„Hilf unseren Gefährten da unten auf der Erde!“
„Aber wie nur?“ Die Himmelsfee wusste sich keinen Rat.
„Mit den Kindern musst du sprechen!“, sagte der Löwenzahn. „Kinder mögen Blumen leiden. Bestimmt.“
„Du hast recht“, sagte die Himmelsfee. „Ich werde es versuchen.“
Ja, und das tut sie nun auch. Nacht für Nacht schickt sie Träume zu den Kindern und bittet sie, gut auf die Natur aufzupassen und den Pflanzen und Tieren nicht weh zu tun. Bestimmt war sie auch schon bei dir mit ihren Blumenträumen.
Sag, was hat sie dir denn so alles erzählt?

© Elke Bräunling

Auf die Natur achtgeben und Stellen im Wald oder auf Wiesen, auf denen Menschen ihren „Abfall vergessen haben“, aufräumen und säubern, das machen die Kinder in der Geschichte „Herbstputz am Bach“, und diese Aufräumaktion endet mit einer tollen Fete

Herbstaster
Herbstaster … ob sie traurig ist?, Foto © Elke Bräunling

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